Es war einmal ...!

Gespielt am: 05.06.2014
Mit: Anna

Das Lieblingsspiel im Hause Grimm
Es war einmal ein junger Mann, der lebte mit seiner Frau und seinen beiden Kindern zufrieden ein bescheidenes Leben. Beide mochten Brettspiele, und so spielten sie an vielen Abenden viele verschiedene Spiele. Eines Tages begab es sich, dass sich der Mann mit seiner Frau in die Stadt aufmachte um neue Brettspiele zu kaufen. Staunend betrachteten sie Spiele aus aller Herren Länder, und die Spiele lockten sie mit Verheißungen auf nie da gewesenen Spielspaß. Der Mann streichelte die Schachteln und las voller Begeisterung ihre Versprechen von zu platzierenden Arbeitern, mehrstündiger Spieldauer und von chinesischen Kindern handbemalten Plastik-Figuren. Der Blick seiner Frau aber fiel auf eine unscheinbare kleine Schachtel. Da sie mit Märchen aufgewachsen war und gerade mit Hingabe "Once Upon a Time" schaute, gewann die kleine Schachtel schnell ihr Herz. Und so geschah es, dass der junge Mann keinen mehrstündigen Strategie-Opus kaufte, sondern ein Märchenerzählspiel.

So (oder so ähnlich) klingt es, wenn man Es war einmal ... spielt. Hierin erzählen die Spieler gemeinsam eine Märchengeschichte. Jeder Spieler hat Karten auf der Hand, die typische Elemente aus Märchen darstellen (z.B. der Prinz, der Brunnen, verstecken, verzaubern, usw.). Verwendet man den Inhalt einer Karte in der Geschichte, kann man diese ausspielen. So versucht man, alle Handkarten loszuwerden und mit ihrer Hilfe eine Geschichte zu stricken, die zum eigenen "Ende" passt. Denn jeder besitzt zusätzlich eine "Ende"-Karte mit einem Abschluss-Satz (z.B. "... und für ihre Bosheit wurde die Schwiegermutter für den Rest ihres Lebens mit Blindheit bestraft"). Wer keine Karte mehr hat und die Geschichte sinnvoll (!) mit seinem Ende abschließt gewinnt.

Ein Spieler darf so lange weiter erzählen, bis er ins Stocken gerät oder die Geschichte nicht weiter voran treibt. Danach gehts im Uhrzeigersinn weiter. Die anderen haben aber 2 Möglichkeiten, um die Autorenschaft vorzeitig an sich zu reißen:
  • Wird ein Begriff genannt, der auf einer eigenen Karte steht, kann man diese schnell ausspielen und weiter machen
  • Manche Karten dienen zusätzlich zu ihrem Begriff als "Unterbrechungsjoker" und können gespielt werden, sobald der Erzähler eine Karte ausspielt
Einfache Regeln also, die dezent im Hintergrund bleiben und genügend Platz lassen für die Kreativität der Spieler und ihre Geschichten. Es war einmal ... ist weniger ein Spiel, sondern ein Rahmen für gemeinsames Geschichten erzählen. Dabei ist der Weg das Ziel, Reden Silber und Schweigen Gold: Es kommt nicht darauf an, zu gewinnen, sondern Spaß an der Geschichte zu haben. Und man muss auch mal zuhören können (was eigentlich kein Problem für Personen aus der Zielgruppe sein sollte), denn man hat kaum Kontrolle über die Kontrolle des Märchens. Häufig kann man die Handlung nicht beeinflussen ("und wenn sie nicht gestorben sind, erzählt der eine Spieler immer noch"), weil die Begriffe der eigenen Karten nicht genannt werden und man keine Unterbrechungskarten auf der Hand hat. Zwanghaft kompetitive Spieler werden also schnell frustriert sein (da Anna immer gewann und ich nur bedingt frustriert war, bin ich nur halb zwanghaft). Und wenn man sich in einen Rausch erzählt und viele eigentlich unwichtige Märchen-Flavour-Elemente in die Geschichte einbringt, ist man die Erzählerrolle schnell wieder los. In einem Spiel mit Anna passierte genau dies und sie konnte auf der Zielgeraden die Geschichte um 180 Grad wenden und zu Ende bringen (das war der Moment, wo ich bedingt frustiert war).

Generell steht und fällt der Spaß mit den Leuten, mit denen man das Spiel spielt: man muss die Idee mögen und darf auch keine Angstattacken bekommen, wenn man spontan vor anderen Leuten kreativ sein muss. Wer sich bei Activity weigert, Pantomine zu machen, wird auch bei Es war einmal ... keinen Spaß haben. Hat man aber die richtigen Leute zusammen, kann es richtig gut werden. Eine Hürde gibt es aber noch: die Spaßmachers. Sie sind kreativ und somit "richtige Leute", lassen die Geschichte aber schnell ins alberne abdriften. Das ist natürlich super, wenn das allen gefällt oder alle schon 4 Bier hatten. Aber wenn ein Spaßmacher auf 3 Personen mit Hans Christian Andersen Tattoos trifft, wird es 3 lange Gesichter geben.

Spielt man es mit gleichgesinnten, klappt Es war einmal ... aber wunderbar. Die Märchen, die entstehen, "fühlen" sich tatsächlich auch wie solche an. Durch die Kombination von Elementen aus unterschiedlichen Original-Märchen und plötzliche Richtungsänderungen, weil jeder Spieler ein anderes Ende anstrebt, entstehen wundersame Geschichten voller Phantasie mit bizarren Wendungen, im Verlauf der Geschichte vergessenen Nebencharakteren sowie zweifelhaften Morallehren - ganz wie in richtigen Märchen auch. Die Illustrationen der Karten sind auch märchenhaft schön (hoho) und stimmig. Es war einmal ... schafft also genau das, was es erreichen möchte, und ist super für Fans von Märchen, Impro-Theater und/oder Rollenspiel (der degenerierte Abkömmlich der ersten beiden...). Für andersgesinnte Spielegruppen wird es eine langweilige bis peinliche Angelegenheit.

1 Kommentar:

  1. Ich glaube in unserer Gruppe wäre es eine langweilige bis peinliche Angelegenheit;-)

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