CV!



Der Name "Spiel des Lebens" war leider schon vergeben
Gespielt am: 19.06.2014
Mit: Anna, Viola 

Wie bereits neulich geschrieben, handelt es sich bei CV um ein aufgebohrtes Kniffel. Die Würfel bieten einem dabei alles, was wichtig im Leben ist: Geld, Beziehungen, Bildung, Gesundheit, Glück und Pech. Bis zu 3 mal kann man versuchen, sein Leben in den Griff zu bekommen (durch rauslegen und/oder neu würfeln). Würfelt man Pech, hat man selbiges gehabt, denn diese müssen auf jeden Fall ausgelegt werden und können im schlimmsten Falle zu einem Unglück führen: wer dreimal Pech hat, war so tollpatschig, dass ihm direkt ein Unglück passiert ist. Man muss dann eine seiner hart verdienten Karten wieder abgeben.

Einige Karten. Brettspielverein ist natürlich besser als Kinder!
Hä, Karten? Seit wann gibt es bei Kniffel denn Karten? Bei Kniffel natürlich nicht, es geht doch um CV! Jetzt geht es nämlich ans eingemachte aufgebohrte: Mit dem Würfelergebnis kann man bis zu 2 Karten aus der Auslage kaufen, um sein anfangs trostloses Leben nach und nach aufzupimpen. Alle Karten stellen nämlich Ereignisse im Leben dar und besitzen Sonderfähigkeiten wie zusätzliche Würfel oder kostenlose Symbole, die man in folgenden Runden ebenfalls einsetzen kann. Der Clou ist, dass jede Karten zu einer Kategorie gehört (Beziehung, Bildung, Gesundheit, Job, Statussymbol), aber nur Spezialfähigkeiten der obersten Karte jeder Kategorie verwendbar sind. Zum Schluss wird die Auslage noch mit neuen Karten aufgefüllt, und der Nachbar ist dran. Die Karten führen einen durch 3 Lebensabschnitte und werden immer teurer und "mächtiger". Sind fast alle Karten weg, kommt Gevatter Tod und macht die Endabrechnung.

Ein Wahrer Brettspieler (TM) misst die Errungenschaften seines Lebens bekanntlich in Siegpunkten. Deswegen geht es in CV wie im richtigen Leben auch genau darum. Punkte erhält man über 3 Wege:
  • Gesammelte Karten der Kategorien Beziehung, Bildung und Gesundheit. Dabei sind viele Karten in einer Kategorie wertvoller als ein bisschen was von allem (eine Karte in einer Kategorie gibt 1 Punkt, 2 Karten 3 Punkte, 3 Karten 6 Punkte usw.).
  • Statussymbole - wir leben schließlich in einer Konsumgesellschaft
  • Lebensziele, wobei jeder Spieler ein geheimes Ziel hat und zusätzlich öffentliche Ziele für alle verfügbar sind. Ein typisches Ziel ist 2 Punkte für je 1 Bildungs- und 1 Gesundheitskarte". Die Punkte für die öffentlichen Lebensziele erhält nur der Spieler, der dafür auch die meisten Punkte gesammelt hat
Bei soviel Pech helfen weder gute Laune noch Erleuchtung
Ich mag Spiele mit Kniffel-Mechanismus ganz gerne - ein paar Mal würfeln, ärgern oder freuen und die Würfel weiter geben. Deswegen macht mir auch CV Spaß. Das Thema "Unwägbarkeiten des Lebens" ist sehr gut mechanisch umgesetzt: Man kann über Karten weitere Würfel erhalten, läuft dann aber Gefahr, häufiger Unglücke zu erleben - ein Leben auf der Überholspur ist eben riskant. Wer auf Nummer Sicher geht (Team Spießer), dem fehlen am Ende vielleicht die Bonussymbole für die teuren und wichtigen Karten. Auch die Umsetzung der Karten sind sehr schön: zum einen sind die benötigten Symbole und Sonderfähigkeiten der Karten zum Schmunzeln (Angestellter in Papas Firma gibt früh sehr viel Geld, aber auch Unzufriedenheit). Zum anderen sind haben die Illustrationen einen sehr originellen und witzigen Stil und bieten eine ironisch bis zynische Darstellung der Motive.

CV hat ein sehr hohes Packungsgröße-zu-Spielmaterial-Verhältnis
In einem Aspekt stellt CV das richtige Leben nicht ganz richtig dar: man hat eine Menge Freizeit. Während die anderen Spieler dran sind, hat man nichts zu tun. Sobald ein Spieler einige Sonderfähigkeiten vor sich liegen hat, kann sein Zug schonmal eine ganze Weile dauern. Gerade mit 3 oder 4 Spielern spielt sich CV nicht so dynamisch, wie ich es mir von einem einfachen, humorigen Würfelspiel wünschen würde. Etwas schade finde ich, dass es oft keinen Sinn macht, seine 3 Würfe voll ausnutzen: häufig ist es schlicht nicht nötig, weil man sich nach dem ersten Wurf schon 2 oder 3 Karten leisten kann. Bei 1 oder 2 Pech-Symbolen beim ersten Wurf sind weitere Würfe zu riskant. Wer ein Unglück hat, kann sich normalerweise nichts kaufen (weil 3 Würfel "weg" sind) und muss auch noch eine Karte abgeben.

Ich habe um mein Leben gespielt - und gewonnen!
CV ist das Äquivalent zu einem typischen Lebenslauf: ganz solide und man ist am Ende recht zufrieden, aber nichts, was in die Geschichte angeht. Es eignet sich für einen entspannten Abend, wenn man keine Energie mehr für Klopper wie Terra Mystica, Caverna oder Mage Knight hat und auch ein wenig Zeit zum schnackseln schnacken* haben möchte. Insgesamt dauert es für das, was es bietet, einen Ticken zu lange - besonders mit mehreren Spielern. Dafür bietet es eine Menge Charme. Für Hardcore-Optimierer ist es zu seicht und glückslastig - aber das kann man von den meisten Leben ja auch behaupten.

* zum schnackseln ist die Wartezeit doch nicht lang genug, wobei das natürlich vom Spieler abhängt.

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