Qwixx!

Gespielt am: 28.06.2014
Mit: Anna, Fabrice, Sebastian, Sonja
 
So muss es sein: Wortspiel in Titel UND Slogan!
Wie ich bereits bei CV geschrieben habe, mag ich Würfelspiele im Allgemeinen und Kniffel-artige Spiele im besonderen. Würfel sind eine haptisch sehr schöne Spielkomponente, und es macht auch einfach Spaß, sie zu werfen. Die meisten Kniffel-artigen Spiele fügen Komplexität hinzu oder verwenden die Kniffel-Mechanismus im Rahmen eines anderen Spieles. Das ist dann häufig solide, aber nicht weltbewegend - siehe CV. Von daher war ich sehr auf Qwixx gespannt, was einen eigenständigen und einfachen Würfelmechanismus mitbringt und dafür sogar eine Spiel des Jahres Nominierung erhalten hat. Und ich würde nicht enttäuscht.

Qwixx ist eine Art Kniffel mit modernem Spiele-Design. Die Spieler sammeln so viele Punkte wie möglich, indem sie anhand ihrer Würfelergebnisse bestimmten Felder ihres Wertungszettel füllen. Der Zettel umfasst 4 Reihen mit unterschiedlichen Farben, welche die Zahlen 2 bis 12 enthalten, mal aufsteigend, mal absteigend. Das ganze funktioniert dann so:

  • Wer an der Reihe ist, würfelt mit 2 weißen und 4 farbigen Würfeln - jede Farbe steht für eine Wertungsreihe. 
  • Jeder Spieler (auch die anderen) kann nun ein Feld einer beliebigen Reihe mit dem Wert der beiden weißen Würfel ankreuzen. Dabei darf immer nur von Links nach rechts angekreuzt werden.
  • Der aktive Spieler darf außerdem noch ein zweites Kreuz setzen, indem er einen weißen mit einem farbigen Würfel kombiniert. Das Kreuz muss er dann natürlich in die Reihe der gewählten Farbe setzen.
  • Hat (oder kann) der aktive Spieler kein Kreuz gesetzt, muss er einen Fehlwurf ankreuzen.

Augen auf beim Spielekauf: zuerst Nachfüllblöcke anstatt Spiel gekauft
Das letzte Feld einer Reihe (2 oder 12) kann man nur ankreuzen, wenn man bereits 5 Kreuze in dieser Reihe hat. Tut man dies, schließt man die Reihe ab - niemand darf mehr Kreuze in dieser Reihe machen - und erhält ein extra Kreuzchen als Belohnung. Das Spiel endet, sobald 2 Reihen abgeschlossen sind oder ein Spieler seinen 4. Fehlwurf macht. Anschließend wird gewertet: Jede Reihe gibt Punkte basierend auf der Anzahl der Kreuze, wobei jedes weitere Kreuz mehr Wert ist (1 Kreuz = 1 Punkt, 2 Kreuze = 3 Punkte, 3 Kreuze = 6 Punkte usw.). Fehlwürfe geben 5 Minuspunkte.

Das wars. Super simple Regeln, super gut durchdacht und, wie wir gleich sehen werden, mit überraschend viel Einflussmöglichkeiten. Durch sie erfüllt Qwixx das "Frank-Theorem für Gute Spiele" (TM):
Ein Spiel ist genau dann "gut", wenn es (a) kurzweilig ist und (b) jeden Spieler vor interessante Entscheidungen stellt*
Eine Partie dauert maximal 15 Minuten und hat quasi keine Wartezeit, weil alle nach jedem Wurf etwas ankreuzen dürfen. Kurzweilig ist es also schonmal. Interessante Entscheidungen gibt es auch:

  • Konzentriere ich mich auf einzelne Reihen um hier viele Punkte zu bekommen, laufe ich Gefahr dass jemand die anderen Reihen abschließt, sodass ich dort nur wenige Punkte bekomme
  • Spiele ich schnell und aggressiv (indem ich häufig Kreuze setze oder Lücken lasse), kann ich schnell Reihen abschließen, laufe aber verstärkt Gefahr, Fehlwürfe zu machen
  • Kreuze ich vorsichtig an, habe ich das Potential, am Ende sehr viele Kreuze (und Punkte) zu haben - aber nur, wenn nicht jemand anderes das Spiel früh beendet.
  • Fülle ich alle Reihen balanciert, habe ich am Ende noch viele Optionen, um weitere Kreuze zu setzen - aber, wenns schlecht läuft, auch nur wenige Punkte.
Erstaunlich viele Dinge, die man beachten muss für ein Spiel mit 6 Würfeln und 4 Regeln. Natürlich ist ein gewisser Glücksfaktor dabei, aber ich behaupte, dass das Können der Spieler (langfristig) einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf das Ergebnis hat - im Gegensatz zu Kniffel. Schön finde ich auch, dass man die Konsequenzen seiner Entscheidungen klar einschätzen kann - im Gegensatz zu Kniffel. Das verschiebt den Fokus vom Glückselement der Würfel stärker hin zum Taktieren auf dem Wertungsblock - im Gegensatz zu Kniffel. Durch das Abschließen von Reihen muss man auch auf die Aktionen der Mitspieler achten und spielt nicht einfach nebeneinander her - im Gegensatz zu Kniffel.

Typisches Ende eines Spiels - links ist Annas Zettel, rechts meiner
Qwixx ist ein sehr schönes, kleines Spiel für zwischendurch, wie ich es mag und das mich mit der Einfachheit seines Designs beeindruckt. So muss ein modernes Spiel aussehen, und es ist, wie ich gerade ausgeführt habe, in allen Aspekten Kniffel überlegen. Obwohl es sehr einfach und somit auch für die Auflockerung des Kaffe-Kränzchens mit Onkel Hubert und Tante Gisela geeignet ist, bietet es Möglichkeiten zum Taktieren. Die klaren Entscheidungsoptionen geben einem das Gefühl, das eigene Spiel zu kontrollieren, anstatt zu würfeln und nur die Felder anzukreuzen, die gerade passen. Bei dem ganzen Gerede von Entscheidungsmöglichkeiten darf man aber nicht vergessen, dass Qwixx trotzdem einen gewissen Glücksanteil hat: anders kann ich es mir nicht erklären, dass meistens die anderen (typischerweise Anna) gewinnen und nicht ich.

* Ergänzend gibt außerdem das Franksche Spaß-Korollar: Ist ein Spiel 'gut', dann haben die Spieler 'Spaß'.

1 Kommentar:

  1. Heissen deine Onkel und Tante Hubert und Gisela oder ist das ein Franksches Pseudonym für die Durchschnittsfamilie?

    AntwortenLöschen