Was'n das?!

... für'n langweiliges Spiel?
Gespielt am: 28.06.2014
Mit: Anna, Fabrice, Sebastian, Sonja

Bei Spieleabenden stellt sich mehrmals die Frage: "Und was spielen wir als nächstes?". Was dann folgt, sind meist 10 unangenehme Minuten voller Involvierungs-verweigerung ("mir egal, ich spiele alles"), Enttäuschung ("Legenden von Andor ist nur für bis zu 4 Spieler") und Ablehnung ("Killer-Karnickel ist scheiße!"). In solchen Situationen wird unausweichlich dem Prinzip des kleinsten gemeinsamen Nenners gefolgt: ein durchschnittliches Spiel, das keinem weh tut, aber auch niemandem so richtig Spaß macht. Manchmal kommt es aber schlimmer: in unserem Fall fiel die Wahl auf Was'n das?, welches keiner - noch nicht mal die Besitzer - kannte (das sollte sich später noch als falsch herausstellen, was die Wahl noch trauriger macht).


Die Gegenstände mit Wertungsleiste auf Tarndecke
Was'n das? ist ein Party-Spiel, und wie bei Party-Spielen üblich geht es darum, dass die Spieler Begriffe anhand der unklaren Darstellung eines Mitspielers erraten müssen. Die Darstellung wird durch "lustige" Beschränkungen erschwert, wodurch ab und zu jemand lacht. Bei Was'n das? sind die Beschränkungen 20 Gegenstände, von denen der "Darsteller" 10 zufällige zur Verfügung hat. Damit muss er einen von 6 Begriffen darstellen. Er darf aber nicht sprechen, sondern nur die Gegenstände auf dem Tisch arrangieren. Sobald ein Spieler denkt, den Begriff zu erkennen, legt er eine Karte mit der Nummer des Begriffs verdeckt in die Mitte. Wenn alle fertig sind, wird aufgelöst. Wer sich früh festlegt, bekommt die meisten Punkte, falls er richtig liegt. Der "Darsteller" erhält 1 Punkt für jeden richtigen Tipp. Anschließend werden die verwendeten Gegenstände durch neue ersetzt und weiter gehts.

Immerhin ist die Zusammenstellung der Begriffe amüsant
Die Begriffe darzustellen, ist gar nicht so einfach, zumal es sind sehr häufig um abstrakte Begriffe handelt und die Gegenstände sehr einfach sind (z.B. ein Mikado-Stab, ein Stofffetzen, ein Männchen, ein Flugzeug, etc.). Der "Darsteller" kommt also ziemlich ins grübeln und die anderen Spieler auch. Die Trefferquote war bei uns sehr niedrig: meistens haben nur 1 oder 2 Leute den Begriff richtig, und noch weniger konnten die Darstellung richtig deuten. Auf dem Papier Bildschirm liest sich das noch ganz witzig. Ist es aber nicht.

Bei uns lief eine Spielrunde wie folgt ab: Der "Darsteller" runzelt die Stirn und überlegt, wie er diesen Begriff nur darstellen soll. Die anderen Spieler warten derweil. Nach einiger Zeit nimmt er 2 Gegenstände und arrangiert sie schweigend mehrmals in unterschiedlicher Art und Weise. Die anderen Spieler haben keine Idee, was das sein soll und warten erstmal ab. Endlich hat der "Darsteller" eine Idee und verwendet noch weitere Gegenstände. Ein Spieler gibt seinen Tipp ab, die anderen haben immer noch keine Idee und grübeln schweigend, höchstens unterbrochen von einem irritierten "Hä?". Der Darsteller weiß nicht, was er an seinem Kunstwerk noch ändern könnte und wartet schweigend. Nach und nach geben die restlichen Mitspieler ihre geratenen Tipps ab. Bei der Auflösung erreicht der Spielspaß seinen Höhepunkt: die Mitspieler, die daneben lagen, beschweren sich, dass der Haufen auf dem Tisch doch ganz klar "Alphatier" und nicht "Alphabet" ist, sie nie Punkte bekommen und alle eine falsche Fantasie haben.

Beispiel eines "Kunstwerks". Hättet ihr es erraten?
Was'n das? hat nichts von dem, was Party-Spiele spaßig machen: sich laut ins Wort fallen, durch Zeitdruck verursachte Panik inklusive Denkblockade, sich zum Affen machen, spontane Witze, doppeldeutige Versprecher und Lachanfälle aufgrund des eigenen Scheiterns. Stattdessen: Schweigen, Warten, Unverständnis und Langeweile. Ok, manchmal war ein Kunstwerk schön um die Ecke gedacht und eine Rechtfertigung für einen falschen Tipp lustig. Aber das war nicht wirklich Verdienst des Spiels. Zum Glück kam während des Spiels der Pizza-Bote, so dass wir alle nach dem Essen geflissentlich "übersehen" konnten, dass wir Was'n das? noch nicht zu Ende gespielt hatten.

Was'n das? macht höchstens die Geburtstagsfeier den spießigen Klassenstrebers interessanter, wo man sich ansonsten bei Mineralwasser und von Mutti gebackenen Vollkornkeksen aus Bio-Dinkel anschweigt. Fast alle anderen Party-Spiele, die ich kenne, sind besser und lustiger. Lustiger ist übrigens auch diese Anekdote: beim Spielen wurde mir bewusst, dass wir Was'n das? vor Jahren Annas Vater zum Geburtstag geschenkt und dort auch gespielt hatten. Seitdem verstaubt es vermutlich im Schrank hinter dem Riesen Tangram Set und unseren Hirne tilgten schnell alle Erinnerungen aus dem Gedächtnis.

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