Die Burgen von Burgund!

Gespielt am: 29.12.2013
Mit: Anna

Ein Spiel so bieder wie seine Schachtel
 Mein Freund Michael lieh mir vor Weihnachten Galaxy Trucker. Auf die Schachtel in meinen Händen blickend sagte ich: "Jetzt muss ich Anna nur noch dazu bringen, etwas mit Raumschiffen drin mit mir zu spielen". Zack, wurde mir mit größten Lobpreisungen noch die Burgen von Burgund oben drauf gepackt. "War 2 Jahre hintereinander ausverkauft in Essen! Ein echter Feld! Kannst Du sogar mit deinen Eltern spielen! Hammer!". Platz 12 bei Boardgamegeek, das muss ja ein gutes Spiel sein, dachte ich. Voller Vorfreude kam BvB also bei uns auf den Tisch. Doch es schwächelte genauso wie sein Dortmunder Namensvetter zur selben Zeit. Die Tatsache, dass das Spiel bei uns nur noch die Burgen von Beige heißt, lässt schon darauf schließen, dass es nicht überzeugen konnte. Aber der Reihe nach!

In den Burgen von Burgund erweitert man seine Provinz, um möglichst viele Siegpunkte zu erlangen. Die Provinz besteht aus sechseckigen Feldern unterschiedlicher Farben (grau-beige, braun-beige, gelb-beige, grün-beige, blau-beige und dunkelgrün-beige), die mit einer Zahl versehen sind. Zusätzlich liegen Plättchen auf einem von 6 Bereichen eines zentralen Nachschubbrettes. Dort kommen im Laufe des Spiels auch noch Warenblips hinzu. Der Grundmechanismus ist so einfach wie clever: Man wirft 2 Würfeln und kann die Würfel anschließend wie folgt einsetzen:
  • Man nimmt ein Plättchen vom Nachschubbrett, und zwar von dem Bereich mit der selben Augenzahl wie der Würfel. Das Plättchen wird aber erst einmal "zwischengeparkt".
  • Man legt ein "geparktes" Plättchen in seine Provinz, aber nur angrenzend an bestehende Plättchen und auf Felder mit - genau - der selben Augenzahl wie der Würfel.
  • Man verkauft eine Sorte Waren und erhält dafür Siegpunkte und Silber
  • Man nimmt 2 Arbeiterblips. Diese kann man einsetzen, um seine Würfelergebnisse um 1 Punkt zu verändern.
50 Shades of Beige

Ich als Würfelliebhaber finde diese Grundidee natürlich super. Man muss recht taktisch spielen und kann sich nicht sicher sein, ob diese Gelegenheit (=Augenzahl) so bald wiederkommt. Auf dem Papier und zu Beginn des Spiels ist das auch sehr einfach und funktioniert hervorragend. Generell bietet das Spiel viele Möglichkeiten, Entscheidungszwänge und bis ins letzte ausgeklügelte Euro-Mechanismen. Siegpunkte gibt es durch beispielsweise durch:
  • Den Verkauf von Warenplättchen, die man durch blau-beige Schiffsplättchen bekommt. Macht man dies aber zu oft, ist man als letzter Spieler dran und verpasst die guten Plättchen aus dem Nachschub
  • Grün-beige Tierplättchen. Hat man bereits Tiere der selben Art in seiner Provinz, zählen diese noch einmal. Kuh-Combo!
  • Das Vervollständigen von gleichfarbigen Gebieten. Je größer das Gebiet, desto mehr Punkte. Aber: früh im Spiel vervollständigte Gebiete geben Sonderpunkte!
Alles sehr gut durchdacht und abgestimmt. Ganz klar die Stärke des Spiels.

Der Strich in der Mitte ist ein Spielplan
Die Plättchen, die man in seine Provinz legt, bringen einem je nach ihrer Farbe Vorteile: Grau-beige Plättchen geben Silber, das man gegen besondere Plättchen eintauschen kann. Grün-beige Plättchen enthalten Tiere, die Siegpunkte geben. Braun-beige Plättchen sind Gebäude mit Sonderfunktionen usw. Ihr merkt schon: das Farbschema ist sehr unglücklich gewählt. Die Farben der Plättchen sind nur schwer zu unterscheiden und entsprechen manchmal auch nicht der zugehörigen Farbe auf dem Spielplan. Sowohl Anna und ich hatten mehrmals Fehler gemacht, weil wir die Farbe verwechselt hatten. Ach, die Komponenten an sich: Die Provinzpläne sind aus dickerem Papier, die Plättchen und Blpis klein, dünn und fitzelig, und die Farben blass und ähnlich. Das wirkt nicht sehr hochwertig. Um auch etwas positives zu schreiben: es gibt Würfel in 4 Spielerfarben.

Plättchen in Nahansicht - die Würfel sind leider nicht übergroß
Mit 4 Spielern würde ich das Spiel aber nicht spielen wollen. Was zu Beginn einfach und flott war, explodierte schnell zu einem unübersichtlichen Wust an Optionsmöglichkeiten. Da die Provinz bereits ausgebaut war, gab es viele potentiell bebaubare Felder, sodass man bei fast jeder Augenzahl etwas platzieren konnte. Der Überblick nahm fast so rapide ab wie das Spieltempo - die 2. Hälfte des Spiels war unglaublich zäh und wir waren letztendlich froh, als es nach über 2 Stunden vorbei war.

Noch mehr Plättchen - diesmal fein säuberlich eingetütet
Die Burgen von Burgund verbindet clever Würfelei mit ausgeklügelten Spiel- und Wertungsmechanismen. Die vielen Strategien sind sehr gut ausbalanciert, und obwohl man aufgrund des Zufalls nicht alles planen kann, fühlt sich kein Zug vergeben an. Es besitzt eigentlich alle Elemente eines guten Euros. Trotzdem beschreiben es aber 3 Worte am besten: zäh, bieder und beige (das "und" zählt nicht!). Die Entscheidungen werden sehr schnell sehr komplex, und das grafische Layout behindert anstatt zu helfen. Dadurch leidet der Spielfluss erheblich. Die Präsentation ist trocken und lässt Charme und Persönlichkeit vermissen.

Die Würfelmechanik gefällt mir sehr, nur leider gerät sie durch die Vielzahl an Optionen etwas in den Hintergrund - warum spielen bei 2 der 4 Aktionen das Würfelergebnis keine Rolle? Ich würde mir ein simpleres Spiel wünschen, was sich stärker auf den Mechanismus fokussiert. Gerne auch mit weniger Optionen.

Ich kann verstehen, warum viele das Spiel mögen, und würde das auch gerne. Aber leider ist es mir zu beige.

2 Kommentare:

  1. Ok, damit ist es für mich raus - vor allem das Farbproblem macht es wohl unspielbar für mich;-) Vielleicht ergeben sich aber mit 3 oder 4 Spielern ganz andere Kombinationen und es wird spannender?

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    1. Wir haben es nur zu zweit gespielt, aber ich gehe davon aus, dass sich die Wartezeit einfach nur verdoppelt bzw. verdreifacht. Außerdem hast Du für jede Augenzahl noch mehr Plättchen auf dem Nachschubplan zur Auswahl. Kommentare bei Boardgamegeek gehen übrigens auch in die selbe Richtung: immerhin ein Drittel empfiehlt es nicht mit 4 Spielern.

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